Im Kloster gibt es eine kleine Küche hinten im Hauptgebäude, wo für den Rimpuje (der wiedergeborene Lama, in diesem Kloster ein kleiner Junge von erst ca 6 Jahren), die Handvoll Bewohner des Hauptgebäudes und Gäste gekocht wird. Dort kann man sich immer gefiltertes, sowie abgekochtes Wasser aus der Küche holen, und es gibt auch einen kleinen Laden, in dem man Flaschenwasser kaufen kann. Der Laden ist normalerweise geschlossen, man muss also nachfragen, ob die dafür zuständige Nonne gerade Zeit hat.
Das schönste am ganzen Kloster sind jedoch die Menschen. Ich wurde sofort ganz herzlich von Ani Sonam aufgenommen, die sich rührend um alles kümmert. Ebenfalls immer zu Scherzen aufgelegt ist Maila, der Koch, der allerdings kaum Englisch spricht, aber dafür eine Handvoll deutscher Vokabeln wie „lecker“ oder „Gute Nacht“ aufgeschnappt hat. Die Verständigung funktioniert hauptsächlich über einige Brocken Englisch und Nepali, aber vor allem über wildes Gestikulieren.
Der Englischunterricht findet im „Klassenzimmer“ statt, dessen einzige Einrichtung ein Whiteboard und Sitzkissen auf dem Boden sind. Die Nonnen haben weder Schulbücher noch sonstige Lernmaterialien und kommen einfach nur mit Heft und Stift ausgestattet zum Unterricht. Der Englischunterricht ist freiwillig und findet zwei Mal am Tag statt: mittags um zwölf und abends um sechs. Es kommen vor allem die jüngeren Nonnen, bis etwa 30. Es gibt einige aufgeweckte 12- bis 15-Jährige, die besonders viel Freude am Unterricht haben.
Die Englischkenntnisse sind krass unterschiedlich: manche hatten Englisch in der Schule und sprechen ganz gut, andere können so gut wie nichts. Daher ist es sehr schwer etwas zu lehren, das allen nützt, und das alle verstehen. Arbeitsanweisungen werden aber immer gerne von den besser Englisch-Sprechenden für ihre Schwestern übersetzt. Ich habe vor allem festgestellt, dass der Wortschatz oft ganz gut ist, aber die Grammatik Kraut und Rüben.
Die Nonnen sind es gewohnt auswendig zu lernen, und freuen sich deshalb umso mehr, wenn man interaktive Methoden anwendet, wie Dialoge oder Spiele.
Auch wenn die Englischkenntnisse sehr unterschiedlich und oft extrem bescheiden sind, so hat mir das Unterrichten wahnsinnigen Spaß gemacht, aus dem einfachen Grund, weil ich bei meinem Lehrerberuf hier in Deutschland niemals solch wissbegierige, fröhliche und begeisterte Gesichter vor mir haben werde.